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Der Perspektivwechsel zur Ideenauswahl

Die Ideenauswahl stellt Unternehmen vor Herausforderungen. Eine strenge und stringente Auswahl ist einer der Erfolgsfaktoren für innovative Unternehmen. Häufig werden Zahlenspiele, harte Fakten, Strategie u.Ä. zur Auswahl eingesetzt. Aber wird die Idee als Ganzes betrachtet? Selten. Dafür bietet sich ein Perspektivwechsel zur Ideenauswahl an.

Mit Hilfe dieser Techniken wird ein umfassender Blick auf die gesammelten Ideen geworfen. Mit ihrer Hilfe kann die Idee auch weiterentwickelt werden und erkannte Schwächen abgestellt werden. Der Perspektivwechsel unterstützt das Durchdenken der Ideen aus verschiedenen Perspektiven. Somit wird ein ganzheitlicher Blick auf eine Idee ermöglicht.

Diese Möglichkeiten gibt es für den Perspektivwechsel

Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Perspektivwechsel umzusetzen. Oft symbolisieren Objekte oder Farben die Perspektiven. Hier werden vier Möglichkeiten vorgestellt:

  1. Die Walt-Disney-Methode
  2. Die Sechs-Hüte von Edward de Bono
  3. Die Quint-Essenz©-Technik nach Annette Blumenschein und Ingrid Ute Ehlers oder
  4. Rollenspiel mit Personas

So läuft der Perspektivwechsel ab

Zwar stellen alle Methoden verschiedene Ansätze vor. Doch der Ablauf ähnelt sich. Für den Einsatz des Perspektivwechsels zur Ideenauswahl gibt es drei Möglichkeiten

  1. Ein Moderator leitet die Diskussion und legt fest, dass die Idee nun aus einer bestimmten Perspektive betrachtet wird. Die Perspektiven werden nacheinander durchgegangen.
  2. Jeder Teilnehmende bekommt eine Perspektive fest zugewiesen und behält die Rolle für die Sitzung. Auch hier wirkt der Moderator bei der Rollenverteilung mit.
  3. Jeder Teilnehmende bekommt eine Perspektive für einen bestimmten Zeitraum. Danach wechseln die Perspektiven. Ob jeder selbst eine Perspektive wählt oder der Tausch einem Muster folgt ist offen. Um die derzeitige Rolle darzustellen können verschiedene Sitze, Hüte, oder sonst Kennzeichen (wie Karteikarte mit Rolle) sind möglich.

Vorteile

Der große Vorteil der Techniken liegt in der Betrachtung aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Sie helfen die fach- und abteilungsspezifischen Vorurteile und Sichtweisen zu überwinden und auf das Problem zu fokussieren. Dabei werden auch ausdrücklich emotionale und subjektive Aspekte berücksichtigt. Alle Techniken sind mit geringem Ressourcenaufwand zu realisieren und zeigen neben den Chancen der Idee auch Probleme und Wissenslücken auf.

Nachteile

Effektiver Perspektivwechsel braucht einen Moderator. Dieser erklärt die Methode und achtet auf die Einhaltung der Regeln. Hier kommen noch zwei Nachteile zum Vorschein:

  1. Die Methoden müssen erklärt werden
  2. Eine Gruppe, die die Method ablehnt oder nicht versteht ist ein Ausschlusskriterium für die Techniken.

Gleichzeitig ist der Perspektivwechsel zeitaufwändig. Es werden mehrere Leute benötigt. Daher ist er nicht als erster Auswahlschritt geeignet. Zur Anwendung kommt er erst, wenn die Anzahl der Ideen auf wenige reduziert wurde.

Walt-Disney-Methode

Die erste vorgestellte Methode geht auf einen Ausspruch von Robert B. Dilts über Walt Disney zurück:

„…there were actually three different Walts: the dreamer, the realist, and the spoiler“

Robert B. Dilts

Walt Disney hat also drei Sichtweisen auf ein Problem gehabt: Als Träumer, als Realist und als Kritiker. Für dem Perspektivwechsel bietet sich noch die Rolle als Neutraler Beobachter an. Damit ergeben sich vier Perspektiven:

  • Der Träumer: Er ist ein Visionär und liefert neue Ideen. Er entwickelt die Idee weiter und sieht ihr Potenzial.
  • Der Realist: Er betrachtet die Idee realistisch. Er ist der Macher und denkt an die Umsetzung.
  • Der Kritiker: Er sieht die Probleme der Idee. Dabei wirft er neue Fragestellungen auf. Er nimmt auch die Rolle des Qualitäts-Managers ein
  • Der neutrale Beobachter: Er beobachtet die drei anderen und ordnet die Äußerungen. In verfahrenen Situationen wirkt er als Berater und ordnet die Diskussion.

Die sechs Denkhüte nach De Bono

Diese Technik wurde 1986 von Edward de Bono als Kreativitätstechnik vorgestellt.1de Bono, Edward (1985). Six Thinking Hats: An Essential Approach to Business Management. Little, Brown, & Company. ISBN 0-316-17791-1 Hier wird sie zur Gruppendiskussion und Auswahl Ideen verwendet. Bei diesem Perspektivwechsel werden sechs Hüte in verschiedenen Farben als Symbole für unterschiedliche Blickwinkel verwendet:

  • Blauer Hut: Er benutzt ordnendes und moderierendes Denken. Der blaue Hut behält den Überblick über die Prozesse. Er strukturiert die Idee und die Diskussion.
  • Weißer Hut: Dieser steht für analytisches Denken: Er ist neutral. Für ihn zählen Daten, Fakten und Anforderungen.
  • Roter Hut: Das emotionale Denken und das Empfinden. Dieser Hut konzentriert sich auf Gefühle und Meinungen. Er ist dabei emotional und persönlich.
  • Schwarzer Hut: Er repräsentiert das kritische Denken, bleibt dabei aber objektiv. Er betrachtet Risiken und Probleme, äußert Skepsis, Kritik und Ängste.
  • Gelber Hut: Eine objektive Bewertung der Chancen und das Best-Case-Szenario. Her spielt der gelbe Hut seine Rolle.
  • Grüner Hut: Zu guter Letzt der kreative Hut. Er ist impulsiv, denkt weiter und assoziativ. Neue Ideen und Anregungen werden von ihm geäußert.

Quint-Essenz©-Technik nach Annette Blumenschein und Ingrid Ute Ehlers

Diese Methode geht auf das Buch Ideen-Management von Blumenschein und Ehlers von 2002 zurück.2Annette Blumenschein, Ingrid Ute Ehlers: Ideenmanagement. München 2002. ISBN 3-932425-43-X Bei dieser Technik werden sechs Perspektiven genutzt:

  • Der Analytiker: Ihn zeichnet überlegtes Vorgehen aus., Spontanität ist ihm fremd. Er sammelt Daten und Fakten.
  • Der Impulsive: Dieser besitzt schnelles Denken und Assoziation. Er denkt schneller als er reden kann und ist impulsiv.
  • Der Optimist: Diese Perspektive sucht nach allen Vorteilen der Idee. Sie denkt positiv über jede Idee und sieht Möglichkeiten.
  • Der Pessimist: Das Gegenteil des Optimisten. Diese Rolle sucht alles Schlechte an einer Idee, sucht Probleme, Schwierigkeiten und Risiken. Da der Pessimist ein Show-Stopper sein kann sollt er erst nach dem Optimisten reden.
  • Der Intuitive: Die Stimme des Bauchgefühls. Der Intuitive muss nicht begründen. Diese Rolle äußert alle Gefühle und emotionalen Aspekte.

Rollenspiel mit Personas

Viele Unternehmen erstellen Personas um Kunden ein Gesicht zu geben. Lebensgroße Poster imaginärer Kunden hängen an Bürowänden. Monatelange Arbeit ist in die Erstellung geflossen. Und genutzt werden sie für nix. Bei dieser Methode übernimmt jeder Teilnehmer die Perspektive einer der Personas und diskutiert die Idee.

Im B2B kann auch das Buying-Center nachgespielt werden. Also die Abläufe und Diskussionen bei Kunden. Dafür ist ein großes Wissen über den Kunden nötig. Und Vorarbeit. Aber gerade bei Branchen mit wenig Absatzmenge kann sich der Aufwand lohnen.

Jeder zusätzliche Auftrag kann den Unterschied zwischen einem Krisenjahr und einem hoch profitablem ausmachen. Und meist muss man seinen Kunden nicht viel besser verstehen als der Wettbewerb. Ein bisschen kann wahre Wunder bewirken. Und dies gilt sowohl im B2B als auch im B2C. Und bei großen oder kleinen Absatzmengen.

Quellen

  • 1
    de Bono, Edward (1985). Six Thinking Hats: An Essential Approach to Business Management. Little, Brown, & Company. ISBN 0-316-17791-1
  • 2
    Annette Blumenschein, Ingrid Ute Ehlers: Ideenmanagement. München 2002. ISBN 3-932425-43-X