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Die 6-3-5 Methode: Unter 17 Sekunden pro Idee

Alle 16,7 Sekunden eine Idee. Dies entspricht 108 Ideen in einer halben Stunde. Das bietet die 6-3-5-Methode zur Ideenfindung. Sie ist mit dem Brainwriting und der Brain-Pool-Methode verwand. Entwickelt wurde die 6-3-5 Methode vom Unternehmens- und Marketingberater Prof. Bernd Rohrbach. Die erste Beschreibung erfolgte in der Zeitschrift Absatzwirtschaft in der Ausgabe vom Oktober 1969.

Doch wie kommen die 108 Ideen in 30 Minuten durch die 6-3-5 Methode zustande? Dazu werden sechs Leute benötigt. Diese bekommen fünf Minuten Zeit, um jeder drei Ideen zu entwickeln. Die Teilnehmer notieren diese für sich. Dann werden die Ergebnisse reihum weitergereicht. Der nächste nimmt nun die drei auf und entwickelt sie weiter. Die 108 Ideen kommen zustande, wenn nach sechs Runden jeder Teilnehmer jedes Blatt einmal bearbeitet hat.

Die 6-3-5 Methode dient der Ideenfindung mit sechs Teilnehmern. Jeder entwickelt bei dieser drei Ideen in fünf Minuten für sich selbst. Danach werden die Ideen weitergegeben und die Ideen weiterentwickelt. So entstehen 108 kreative Ideen in nur 30 Minuten.

Der Ablauf einer 6-3-5 Sitzung

Ein zweiteiliger Ablauf bietet sich bei der 6-3-5 Methode an. Dies ist mit dem Brainstorming vergleichbar. Die erste Phase dient der Ideenfindung. Die zweite der Bewertung und Auswahl.

Die Ideenfindung mit der 6-3-5 Methode

Die Ideenfindung mit der 6-3-5 Methode läuft in acht Schritten ab.

  1. Vor beginn der Sitzung wird das Team zusammengestellt. Die 6-3-5 Methode benötigt im Normalfall sechs Mitglieder. Möglich sind aber auch Gruppen mit fünf oder sieben Personen.
  2. Der Moderator erklärt die Methoden den Teilnehmern der Sitzung zur Ideenfindung. Dazu gehört auch die Zeitspanne zur Bearbeitung. Namensgeber der Methode sind fünf Minuten. Bei komplexen Aufgaben ist auch mehr Zeit möglich. Eine Verkürzung ist ebenfalls denkbar.
  3. Die Aufgabe der Ideensitzung wird durch den Moderator vorgestellt. Wie bei jeder Kreativitätstechnik ist eine verständliche, herausfordernde, aber nicht überfordernde Fragestellung nötig.
  4. Die vorbereiteten Arbeitsblätter werden an jeden Sitzungsteilnehmer ausgeteilt.
  5. Jeder der Teilnehmer trägt in die erste Zeile seines Arbeitsblatts drei Ideen ein.
  6. Wenn die vereinbarte Zeitspanne abgelaufen ist, reichen die Teilnehmer das Arbeitsblatt im Urzeigersinn an ihren Nachbarn weiter.
  7. Die Teilnehmer nehmen nun die eingetragenen Ideen ihrer Vorgänger auf. In die darunter befindlichen Felder werden in der Zeitspanne drei neue Ideen eingetragen. Diese Lösungen können die vorherigen Ideen weiterentwickeln, kombinieren, ergänzen oder gänzlich neu sein. Fallen einem Teilnehmenden keine drei Ideen ein, ist dies kein Beinbruch. Das Arbeitsblatt wird trotzdem nach der Bearbeitungszeit weitergereicht.
  8. Bis alle Teilnehmenden jedes Arbeitsblatt bearbeitet haben, werden die Schritte fünf bis sieben wiederholt.

Die Auswertung der Ideen

Praktisch an der 6-3-5 Methode zur Auswertung sind die vorbereiteten Arbeitsblätter. Diese können zerschnitten werden. Somit entstehen 108 Ideenkarten. Diese können beliebig sortiert, kombiniert oder auf andere Weise weiterverwendet werden.

Zur Auswahl bieten sich spezielle Techniken an.

Das Arbeitsblatt

Die Verwendung eines DIN-A3 Blatts bietet sich an. Über die Blattbreite werden drei gleichgroße Spalten gemalt. Bei einem DIN-A3 Blatt sind dies etwa 9,5 cm. Dann bleit noch ein Heftrand übrig. In der Höhe werden sechs gleichgroße Zeilen eingezeichnet. Mit Platz für eine Überschrift sind dies beim erwähnten Blattformat etwa 6,5 cm. Die Aufgabenstellung wird als Überschrift verwendet.

Ein Beispiel für ein Arbeitsblatt der 6-3-5 Methode. Wichtig sind drei gleichgroße Spalten und sechs gleichgroße Spalten. Die Aufgabenstellung sollte als Überschrift genutzt werden.

Größere Blätter und Kästchen sind bei zu visuellen bzw. zu zeichnenden Ideen nötig. Bei zu kleinen Blättern müssen die Ideen auf wenig Platz geklemmt werden. Dies geht immer auf Kosten der Les- bzw. Erkennbarkeit.

Die Stärken der 6-3-5 Methode

Die Methode bändigt redefreudige Gruppen und bindet zurückhaltende Personen effektiv in die Ideenfindung ein. Sie eignet sich auch bei spannungs- und konfliktgeladenen Gruppen an, verhindert Killerphrasen und Zerreden von Ideen. Auch Hierarchien können gut überwunden werden. Die 6-3-5 Methode verhindert effektiv Kritik an Ideen während der Ideenfindung. Auf dem Arbeitsblatt ist kein Platz für Kommentare.

Die 6-3-5 Methode kann zu neuen Ideen und Impulsen führen, wenn vorherige Ideenfindungen in Grundsatzdiskussionen abgeglitten sind. Alle Teilnehmenden sind gleichmäßig an der Ideenfindung beteiligt. In späteren Runden beinhalten die Ideen Gedanken und Überlegungen aller Teilnehmer.

Die Schwächen der Methode

Nachfragen und Diskussionen sind nicht gestattet. Unleserliche oder nicht erkennbare Ideen unterbinden also Denkprozesse. Leserliche Schrift ist unabdingbar. Viele Kollegen scheitern an dieser Voraussetzung.

Die Mehrfachnennung von Ideen ist normal. Da jeder Teilnehmende nur einen Ausschnitt der Ideen kennt, lässt sich das bei der 6-3-5 Methode nicht verhindern. So können von den 108 versprochenen Ideen weniger übrigbleiben. Aber auch nur 50% davon -54 Ideen – sind ein guter Pool zur Weiterarbeit.