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Innovation und kontinuierliche Verbesserung

Gesellschaftliche, politische und technologische Veränderungen stellen Unternehmen aller Größen vor neue Herausforderungen. Durch neue Technologien und veränderte ökonomische Randbedingungen können traditionelle Geschäftsmodelle unprofitabel oder obsolet werden. Die Struktur der Weltwirtschaft verändert sich. Die Volksrepublik China wird voraussichtlich im Jahr 2028 die USA als größte Volkswirtschaft ablösen.1CEBR (2020). World Economic League Table 2021: A world economic league table with forecasts for 193 countries to 2035. URL: https://cebr.com/wp-content/uploads/2021/02/WELT-2021-final-15.01.pdf (abgerufen am 05. 03. 2022). Diese Veränderungen bewirken einen Veränderungsdruck auf Unternehmen. Ob dieser Druck heute größer ist als früher oder nur ein Gefühl der Dringlichkeit besteht, spielt keine Rolle: Nur durch Veränderung können Unternehmen sich weiterentwickeln. Hierfür sind kontinuierliche Verbesserung und Innovation erforderlich.

Zwei Möglichkeiten der Weiterentwicklung und viele Quellen für Ideen

Grundsätzlich bestehen für ein Unternehmen zwei Möglichkeiten der Weiterentwicklung:

  • Beständig immer besser werden
  • Sprunghaft etwas anderes machen

Egal welche der beiden Möglichkeiten genutzt wird, beide benötigen Ideen. Diese können systematisch erarbeitet werden oder spontan entstehen. Beide Ideenquellen sind wertvoll. Beide Ideenquellen müssen abgeschöpft werden. Für beide Quellen ist eine passende Unternehmenskultur nötig.

Ideen können systematisch erarbeitet werden, oder spontan entstehen
Egal ob Ideen spontan entstehen oder systematisch erarbeitet werden. Beide Arten sind nötig und wertvoll

Kontinuierliche Verbesserung

In vielen kleinen Schritten zur Verbesserung. Auf diese Weise erhöht der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP) die Wettbewerbsfähigkeit. Geeignet ist das Vorgehen für Produkte, Prozesse und Dienstleistungen. Man kann den Prozess auch auf sich selbst anwenden. In der Norm zum Qualitätsmanagement, der ISO 9001, ist der KVP ein zentraler Bestandteil.

Ein A/B-Test der Landing Page zur Verbesserung der Conversion Rate gehört zur kontinuierlichen Verbesserung. Das Verhindern von Montagefehlern durch Kodierung der Bauteile auch. Dies wird auch als Poka Yoke bezeichnet. Lean Management ist auch Teil des KVP.

Was zeichnet den kontinuierlichen Verbesserungsprozess aus? Im Normalfall werden spezielle Teams zusammengestellt, die den Auftrag erhalten Probleme zu identifizieren und zu beheben. Die Teams sollten befähigt werden die Verbesserungen selbstständig zu erarbeiten und umzusetzen. So können sie schnell und effektiv arbeiten.

Zum Management der Verbesserung wird der PDCA-Zyklus genutzt. Dieser ist auch als Demingkreis bezeichnet. Der Zyklus geht in vier Stufen vor:

  1. Plan: In dieser Stufe werden Probleme identifiziert und analysiert. Anschließend werden Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet.
  2. Do: Die erarbeiteten Konzepte werden in kleinem Rahmen getestet und verbessert. In diesem Schritt erfolgt noch keine Umsetzung auf großer Bühne. Im Prinzip ist dies die Generalprobe.
  3. Check: Die Resultate des vorherigen Schritts werden geprüft. Ist eine messbare Verbesserung eingetreten? Sehr gut. Die Anpassung kann auf breiter Front umgesetzt werden. Wenn keine Verbesserung eintritt, ist das kein Beinbruch. Man hat daraus gelernt.
  4. Act: Die Verbesserung wird im Unternehmen eingeführt. Damit wird das Niveau auf ein neues Level gehoben.

Sonderfall Betriebliches Vorschlagswesen

Eine Sonderstellung nimmt das Betriebliche Vorschlagswesen (BVW) ein. Mit ihm können Ideen überall aus dem Unternehmen nutzbar gemacht werden. Mitarbeiter reichen Verbesserungen ein, ohne beauftragt zu sein. Es ist also kein Teil ihrer normalen Tätigkeit. Zusammen mit dem KVP wird das BVW in Deutschland auch als Ideenmanagement bezeichnet.

Erkennt ein Montagemitarbeiter, dass eine Konstruktionsänderung die Fehlerquote reduziert oder die Materialkosten senkt, kann er dies im BVW einreichen. Beide Vorschläge gehören nicht zu seiner normalen Tätigkeit. Trotzdem hat das Unternehmen bei der Umsetzung der Idee einen Vorteil.

Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 30. April 1965 hat dieser Mitarbeiter Anspruch auf eine Vergütung des Vorschlags. Dafür müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Der Vorschlag ist eine Sonderleistung und nicht mit der normalen Bezahlung abgegolten.
  2. Der Verbesserungsvorschlag wird umgesetzt. Der Arbeitnehmer hat hierauf aber kein Recht.
  3. Das Unternehmen hat durch den Vorschlag einen Vorteil.
Es gibt drei Voraussetzngen für Prämien im BVW
Voraussetzung für Prämien im BVW nach Aktenzeichen 3 AZR 291/63

Bei EUREKA impulse kann mehr über die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland nachgelesen werden (in der DNB ist ein kostenloser Downloadlink zu finden).

Große Verbesserungen durch Innovation

Der KVP bzw. das BVW stellen kleine und andauernde Verbesserungen dar. Innovation ist eine große umfassende Veränderung. Innovation ist ein Teamsport. Ideen für Innovation können von überall kommen. Innovation bewirkt eine tiefgreifende Veränderung. Darum erfordert Innovation eine starke Involvierung des Top-Managements.

Hier zeigt sich ein großer Unterschied zwischen KVP und Innovation. Im KVP werden die Teams bemächtigt die Verbesserungen selbst umzusetzen. Innovation kann so tiefgreifende Veränderungen bewirken, dass diese nur mit der direkten Einbeziehung des Top-Managements möglich ist. Daneben hat Innovation hat immer eine strategische Dimension.

KVP und Innovation erfolgen in verschiedenen Geschwindigkeiten
Der KVP gleicht einer Treppe: Viele kleine Schritte sind zum Erreichen des Ziels nötig. Innovation entspricht eher einem großen Sprung.

Wie sieht ein Innovationsprozess aus?

Innovation wird häufig auch über Prozesse oder Frameworks gemanagte. Ein Beispiel ist der Innovationsprozess aus der ISO 56002. Die Norm behandelt Innovationsmanagementsysteme. Der Prozess besteht aus fünf Schritten:

  1. Möglichkeiten identifizieren: In diesem Schritt werden Chancen identifiziert und Suchfelder festgelegt.
  2. Konzepte erarbeiten: Ausgehend vom ersten Schritt werden Ideen gesammelt und ausgewählt.
  3. Konzepte validieren: Durch kleine Experimente werden die Ausgewählten Konzepte bestätigt oder verworfen.
  4. Lösung erarbeiten: Die Schritte zur umfassenden Umsetzung der Konzepte werden begonnen. Die Einführung der Lösung wird vorbereitet.
  5. Lösung ausliefern: Die erarbeitete Lösung wird eingeführt.
Innovationsprozess der ISO 56002
Der Innovationsprozess der ISO 56002 erfolgt in fünf Schritten.

Gemeinsamkeiten mit dem PDCA-Zyklus

Beim Vergleich zwischen dem PDCA-Zyklus und dem Innovationsprozess der Norm fallen ein paar Gemeinsamkeiten auf. Beide beginnen mit der Identifizierung von Problemen bzw. Suchfeldern. Anschließend werden Ideen dazu gesucht und ausgewählt. Eine Validierung der Ideen in kleinem Rahmen folgt darauf. Fällt diese positiv auf wird die Idee umgesetzt und großflächig eingeführt. Die Gestaltung der einzelnen Schritte unterscheidet sich aber gravierend. Beim KVP liegt viel Wissen vor. Die Validierung ist gut kontrollierbar. Bei Innovationsvorhaben ist weit mehr Unsicherheit vorhanden.

Häufig wird Innovation nur mit neuen Produkten oder Geschäftsmodellen assoziiert. Sie kann aber auch Prozesse betreffen. So möchte z.B. Tesla für das Model Y die Karosseriefertigung radikal umstellen. Statt aus vielen Einzelteilen soll die Karosserie aus wenigen bestehen. Die Fertigung wird dadurch stark vereinfacht. Dafür muss die Konstruktion des Autos entsprechend gestaltet sein, spezielle Fertigungsverfahren eingeführt werden und die Montage angepasst werden. Ziel ist eine umfassende Kosteneinsparung bei der Fertigung und eine Verbesserung des Produkts.

Was unterscheidet Ideenmanagement und Innovation noch voneinander?

Während KVP, BVW und Innovation zusammen für überragende Ergebnisse nötig sind, unterscheiden sie sich doch in einigen Punkten. Beide sind Teil der organisationalen Ambidextrie. Ideenmanagement gehört zur Exploitation. Hier geht es um die stetige Verbesserung. Es geht darum die Kosten zu senken, Abweichungen vom Plan zu reduzieren und die Profite zu maximieren. Dafür sind vor allem Kenntnisse der Abläufe nötig.

Innovation gehört dagegen zur Exploration. Hier geht es darum zu lernen. Der richtige Weg ist meist nicht zu erkenne. Hier muss man offen für Neues sein, Fehler akzeptieren können und unternehmerisch denken.

There is no such thing as "profit." There are only "costs"
Nach Peter Drucker gibt es keine Gewinne. Gewinne sind die Kosten des Überlebens.

Zusammen sind Exploitation und Exploration nötig, um Unternehmen weiterzubringen. In der Exploitation werden die Überschüsse für die Exploration verdient. Oder um Peter F. Drucker zu Paraphrasieren: Gewinne sind die Kosten des Überlebens.

Fazit

Zusammen ermöglichen Innovation und Ideenmanagement wirtschaftlichen Erfolg
Zusammen ermöglichen Innovation und Ideenmanagement wirtschaftlichen Erfolg.

Oft wird kontinuierliche Verbesserung und Innovation in einen Topf geworfen. Ideenmanagement und Innovation sind aber verschiedene Dinge, mit verschiedenen Anforderungen und Ansätzen im Management. Allerdings wir beides benötigt. Oft ist der Unterschied zwischen kontinuierlicher Verbesserung und Erhaltungsinnovation sehr unscharf.

Wichtig ist, die Reibungsverluste zwischen beiden zu reduzieren. Integrierte Managementsysteme bieten hier einen großen Vorteil. Dabei dürfen die Unterschiede aber nicht ignoriert werden.

Quellen

1 Kommentar zu „Innovation und kontinuierliche Verbesserung“

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